Seit Januar 2026 prüft die Marktüberwachungsstelle der Länder aktiv, ob digitale Angebote die Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes erfüllen. Das Gesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 und setzt die europäische Barrierefreiheitsrichtlinie in deutsches Recht um. Der Bußgeldrahmen reicht bis 100.000 Euro, parallel dazu sind wettbewerbsrechtliche Abmahnungen möglich.
Für Eventteams liegt die eigentliche Nachricht nicht im Bußgeld, sondern im Anwendungsbereich. Der hängt nämlich nicht an der Veranstaltung, sondern am digitalen Vertragsschluss. Sobald über eine Website oder App ein Ticket verkauft oder eine kostenpflichtige Teilnahme gebucht wird, fällt dieser Vorgang unter den elektronischen Geschäftsverkehr – völlig unabhängig davon, wie gut die Location ausgestattet ist.
Damit wandert das Thema in eine andere Abteilung. Barrierefreiheit war in vielen Organisationen eine Frage an das Facility Management oder an den Veranstaltungsort. Sie ist jetzt eine Frage an das Team, das Anmeldestrecke, Eventwebsite und Teilnehmerkommunikation verantwortet. Und dort ist sie in den meisten Fällen noch nie systematisch gestellt worden.
Der Anwendungsbereich: Woran sich die Pflicht tatsächlich festmacht
Drei Punkte klären die meisten Rückfragen, die im Eventkontext auftauchen.
Der Auslöser ist der Vertragsschluss, nicht die Information. Eine reine Informationsseite ohne Buchungs- oder Verkaufsfunktion fällt nicht unter das Gesetz. Sobald die Seite darauf ausgelegt ist, einen Verbrauchervertrag vorzubereiten oder abzuschließen, sieht es anders aus. Für Eventteams heißt das: Die Registrierungsstrecke, das Ticketing, die Zahlungsseite und die Bestätigungsdokumente sind der relevante Bereich.
Die Ausnahme für Kleinstunternehmen greift enger als viele annehmen. Sie gilt für Dienstleistungen, wenn ein Unternehmen weniger als zehn Beschäftigte hat und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme erreicht. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein. Wer Produkte anbietet, ist unabhängig von der Größe betroffen. Und maßgeblich ist das Unternehmen, das den Vertrag schließt, nicht die Eventabteilung darin.
Der Maßstab ist WCAG 2.1 auf Stufe AA. Das ist kein Gestaltungsleitfaden, sondern ein prüfbares Kriterienset: ausreichender Farbkontrast, vollständige Tastaturbedienbarkeit, sinnvolle Beschriftung von Formularfeldern, Textalternativen für Bilder, verständliche Fehlermeldungen, keine reine Farbcodierung von Information.
Ein Hinweis, der Diskussionen abkürzt: Auch B2B-Events kommen selten sauber an der Regelung vorbei. Sobald Einzelpersonen sich privat anmelden oder selbst zahlen können, entsteht ein Verbraucherbezug. Die Prüfung, ob eine Ausnahme greift, kostet in der Regel mehr Zeit als die Umsetzung der wichtigsten Kriterien.
Fünf Stellen im Eventprozess, an denen es regelmäßig hakt
Auffällig ist, wie ähnlich die Befunde über verschiedene Organisationen hinweg aussehen. Es sind fast immer dieselben fünf Stellen.
Das Anmeldeformular. Pflichtfelder, die nur über eine rote Umrandung als fehlerhaft markiert werden. Datumsauswahl, die sich ohne Maus nicht bedienen lässt. Platzhaltertexte anstelle echter Beschriftungen, die verschwinden, sobald jemand tippt. Ein Zeitlimit für den Ticketkauf, das sich nicht verlängern lässt. Diese vier Punkte erklären einen erheblichen Teil aller Beanstandungen und sind alle im Formularbau lösbar.
Bestätigungsmail und Ticketdokument. HTML-Mails ohne Textalternative, Tickets als Bilddatei ohne auslesbaren Inhalt, QR-Code ohne danebenstehenden Klartextcode. Wer das Ticket nicht lesen kann, kann auch nicht prüfen, ob er das richtige hat.
Eventwebsite und Agenda. Programmübersichten, die als Tabelle gebaut sind, ohne Struktur für Screenreader. Sessiontitel, die ausschließlich per Farbe einer Track-Kategorie zugeordnet sind. Speaker-Bilder ohne Alternativtext. Eingebettete Videos ohne Untertitel.
Kommunikation vor Ort und Check-in. Beschilderung mit zu geringem Kontrast, Check-in-Terminals in einer Höhe, die im Sitzen nicht erreichbar ist, Durchsagen ohne visuelles Pendant. Der Punkt fällt nicht unter das Gesetz, wirkt aber unmittelbar auf die Erfahrung derselben Teilnehmenden.
Nachbereitung. Aufzeichnungen ohne Untertitel, Präsentationen als gescanntes PDF, Zusammenfassungen ausschließlich als Grafik. Der Teil des Events, der am längsten online bleibt, ist oft der am schlechtesten zugängliche.
Bedarf erheben, ohne peinlich zu werden
Die häufigste Formulierung im Anmeldeformular lautet sinngemäß: „Haben Sie eine Behinderung?“ Sie ist rechtlich heikel, praktisch nutzlos und für viele Menschen unangenehm zu beantworten.
Besser funktioniert eine Frage nach Bedarf statt nach Diagnose. Ein optionales Freitextfeld mit der Formulierung „Was brauchen Sie, damit die Teilnahme für Sie gut funktioniert? (z. B. Sitzplatz nah an der Bühne, Untertitel, Ruheraum, Ernährungshinweise)“ liefert brauchbare Antworten und ist datenschutzrechtlich unkritischer, weil keine Gesundheitsdaten abgefragt werden.
Drei Dinge machen den Unterschied zwischen einer Alibi-Frage und einem funktionierenden Prozess:
- Eine benannte Person, die die Antworten sieht und beantwortet, mit einer zugesagten Reaktionszeit von 48 Stunden.
- Eine Angabe darüber, was bereits vorhanden ist. Wer auf der Eventseite schreibt „Stufenloser Zugang, induktive Höranlage in Saal 1, Untertitel im Stream, Ruheraum im 2. OG“ nimmt Nachfragen vorweg und signalisiert, dass die Frage ernst gemeint ist.
- Eine Rückmeldung, die konkret ist. „Wir haben Ihren Platz in Reihe 2 reserviert und Sie beim Einlassteam vermerkt“ ist eine Antwort. „Wir kümmern uns“ ist keine.
Die Erfahrung aus Eventprojekten: Der Anteil der Teilnehmenden, die ein solches Feld ausfüllen, liegt fast immer höher als das Team erwartet hat – und die überwiegende Mehrheit der Anliegen ist mit organisatorischen Mitteln lösbar, nicht mit Budget.
Wo KI im Zugänglichkeitsprozess Arbeit abnimmt
Der Nutzen von KI liegt hier nicht in der Bewertung, sondern im Volumen. Vier Anwendungen tragen im Alltag.
Textalternativen im Bestand. Eine Eventwebsite mit zweihundert Speaker-Bildern, Sponsorenlogos und Session-Grafiken bekommt in einem Durchlauf Alt-Text-Entwürfe, die anschließend geprüft und korrigiert werden. Der Zeitaufwand fällt von Tagen auf Stunden. Die Prüfung bleibt notwendig, weil ein Modell nicht weiß, welche Bildinformation im Kontext relevant ist.
Untertitel und Transkripte. Live-Untertitelung im Stream und automatische Transkripte für Aufzeichnungen sind heute in einer Qualität verfügbar, die für viele Formate ausreicht. Bei Fachvokabular, Eigennamen und starkem Dialekt sinkt die Genauigkeit deutlich, deshalb gehört eine Korrekturschleife dazu, bevor Aufzeichnungen dauerhaft online gehen.
Sprachliche Vereinfachung. Aus einer bestehenden Eventbeschreibung eine kürzere, klarere Fassung zu erzeugen, ist eine Aufgabe, die Sprachmodelle gut lösen. Das ist noch keine zertifizierte Leichte Sprache, verbessert aber die Verständlichkeit von Anfahrtsbeschreibungen, Programmtexten und Teilnahmebedingungen spürbar.
Automatisierte Vorprüfung. Kontrastwerte, fehlende Formularbeschriftungen, Überschriftenhierarchie und fehlende Alt-Texte lassen sich maschinell erfassen. Ein solcher Scan findet je nach Quelle einen Teil der tatsächlichen Probleme – die Bedienbarkeit per Tastatur, die Verständlichkeit von Fehlermeldungen und die Frage, ob ein Screenreader den Anmeldeprozess sinnvoll wiedergibt, muss jemand manuell durchgehen.
Was KI nicht leistet: die rechtliche Einordnung, den Ersatz von Gebärdensprachdolmetschung und die Entscheidung, welches Maß an Zugänglichkeit ein Format braucht. Diese Grenze sauber zu ziehen spart mehr Ärger, als jede zusätzliche Automatisierung einbringt.
Ein Selbstcheck, der in 90 Minuten machbar ist
Vor jedem Audit lohnt ein Durchgang, den jedes Eventteam ohne Spezialkenntnisse schafft.
- Die eigene Anmeldestrecke einmal vollständig mit der Tastatur durchlaufen. Nur Tab, Shift-Tab, Enter und Leertaste. Wenn ein Schritt nicht erreichbar ist, ist das ein Befund.
- Den Browser-Zoom auf 200 Prozent stellen und dieselbe Strecke wiederholen. Überlappt etwas oder verschwindet ein Button, ist das ein Befund.
- Ein Pflichtfeld absichtlich leer lassen und absenden. Steht die Fehlermeldung als Text neben dem Feld oder nur als Farbe?
- Die Bestätigungsmail in der Nur-Text-Ansicht öffnen. Sind Termin, Ort und Ticketcode lesbar?
- Die Programmseite mit der Vorlesefunktion des Betriebssystems anhören. Kommt die Struktur an oder ein Zahlensalat?
- Drei zufällige Bilder prüfen: Alt-Text vorhanden und inhaltlich sinnvoll?
Wer diese sechs Punkte dokumentiert, hat eine belastbare Prioritätenliste und weiß, ob eine externe Prüfung nötig ist oder ob interne Korrekturen reichen.
Wo eventpage.ai ins Bild kommt
Ein großer Teil der beschriebenen Probleme entsteht nicht durch fehlendes Bewusstsein, sondern durch Werkzeugvielfalt. Anmeldung in einem Formular-Tool, Website im CMS, Bestätigungsmails im Mailsystem, Tickets aus einem vierten Dienst: Jede Quelle bringt ihre eigenen Vorlagen mit, und Barrierefreiheit müsste in jeder einzeln hergestellt und danach einzeln nachgewiesen werden.
eventpage.ai führt Eventwebsite, Anmeldung, Ticketing, Agenda und Teilnehmerkommunikation in einem System zusammen. Für dieses Thema bedeutet das vor allem: Formularfelder, Bestätigungsdokumente und Programmdarstellung stammen aus derselben Vorlagenlogik, Bedarfsangaben aus der Anmeldung liegen an denselben Teilnehmerdaten wie Check-in und Sitzplatzvergabe, und die KI-Funktionen setzen genau dort an, wo oben Volumen entsteht: Textentwürfe, Alternativtexte und Zusammenfassungen für Nachbereitung und Aufzeichnungen.
Ein System ersetzt keine Prüfung. Es reduziert aber die Zahl der Stellen, an denen dieselbe Prüfung wiederholt werden muss.
Nächster Schritt: Barrierefreiheit im Invitation Management mitdenken
Barrierefreie Events beginnen nicht erst am Eingang. Sie beginnen mit der ersten Einladung und setzen sich über Eventwebsite, Anmeldung, Bestätigung und Teilnehmerkommunikation fort. Wer diese Schritte als zusammenhängenden Prozess betrachtet, kann Zugänglichkeit von Anfang an mitdenken, statt einzelne Touchpoints später nachzubessern.
Genau hier wird ein zentrales Invitation Management relevant: Informationen zu Barrierefreiheit können bereits vor der Anmeldung transparent kommuniziert, individuelle Bedarfe direkt im Formular abgefragt und anschließend gemeinsam mit den übrigen Teilnehmerdaten weitergeführt werden. So gehen wichtige Angaben nicht zwischen Formularen, E-Mails und Tabellen verloren.
Mit eventpage.ai lassen sich Einladung, Eventseite, Anmeldung und Teilnehmerkommunikation in einem System zusammenführen. Das ersetzt keine Prüfung auf Barrierefreiheit, schafft aber eine konsistente Grundlage für einen zugänglicheren Eventprozess.
Möchtest du ausprobieren, wie sich Anmeldung und Teilnehmerkommunikation zentral organisieren lassen? Dann kannst du eventpage.ai hier kostenlos testen: https://app.eventpage.ai/sign-up